Montag, 14. Juli 2014

Die tatsächlichen Wirkungsbereiche von Händedesinfektionsmitteln

Als „Wirkungsbereiche“ sind die Wirksamkeiten gegen die verschiedenen Erregergruppen wie Bakterien, Pilze und Viren und ggfs. Subgruppen wie Hefen, Schimmelpilze, behüllte und unbehüllte Viren, definiert. Für die Überprüfung der Wirksamkeit werden teils nicht die eigentlichen humanpathogenen Erreger, sondern Ersatz- oder Testorganismen (Surrogatorganismen) verwendet, von welchen man ein gleiches oder sehr ähnliches Verhalten erwarten kann. Standardisierte Tests bestimmen dann die Wirksamkeit. Als Testvariablen dienen eine definierte Zeit und unter definierten Bedingungen eine bestimmte Inaktivierung bzw. ein vordefinierter Reduktionsfaktor der Erreger. Unterschieden werden in sogenannte Suspensionstests bzw. reine Labortests und praxisnahe Tests. Bei den Suspensionstests werden die Erreger mit dem Mittel vermischt und die praxisnahen Tests finden unter den tatsächlichen Anwendungsbedingungen statt.

Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln gegen Bakterien und Pilze 

Für die Untersuchung der Wirksamkeit eines Händedesinfektionsmittels gegen Bakterien oder Hefepilze stehen folgende europäische Normen für Suspensionstests bereit: DIN EN 13727 und DIN EN 13624.Hinzu kommen DGHM und VAH-Methoden, welche als Vorrausetzung dienen um eine Eintragung in die RKI-, sowie VAH-Liste zu erreichen. Wichtig ist allgemein eine kurze Einwirkzeit von ca. 30 Sekunden.

Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln gegen Viren 

Die viruzide Wirksamkeit wird nur auf Basis von Suspensionstests ermittelt. Die Suspensionstests werden jedoch zusätzlich in zwei unterschiedliche Test- und Klassifikationssysteme unterteilt. Des Weiteren ist eine Unterscheidung der Wirkungsbereiche in begrenzt viruzid- wirksam gegen behüllte Viren und viruzid- wirksam gegenbehüllte und unbehüllte Viren, durch die Stellungnahme des Arbeitskreises Viruzidie beim Robert Koch-Institut (RKI), möglich. Der Nachweis zur Wirksamkeit muss mithilfe der Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten und des RKI mit festgelegten Viren erbracht sein. Folgende Viren müssen geprüft werden:

Für „begrenzt viruzid“
  • Vacciniavirus (bzw. Modified Vacciniavirus Ankara) MVA 
  • BVDV (Bovines Virusdiadiarrhoe-Virus)

Für „viruzid“
  • Poliovirus 
  • Adenovirus 
  • Simian-Virus 40 
  • Vacciniavirus

Nach DIN EN 14476 “Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln gegen Viren” konnte in der Vergangenheit nur eine viruzide Wirksamkeit ausgelobt werden. Dafür musste das Polio- und Adenovirus auf Wirksamkeit getestet sein. Da jedoch davon ausgegangen wird, dass mehrere unbehüllte humanpathogene Viren weniger stabil als Polioviren sind, wurde in eine Novellierung der Norm im Jahr 2013 eine als „limited virucidal activity“ definierte Wirksamkeit eingeführt, um einer größeren Gruppe von von Produkten zu ermöglichen gegen Noro- und Adenoviren angewendet zu werden.

Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln gegen bakterielle Sporen 

Trotz der Häufigkeit von nosokomialen Infektionen mit Clostridium difficile, gibt es immer noch kein zuverlässiges und somit zugelassenes sporozides Händedesinfektionsmittel. Eine Europäische Norm für Suspensionstests steht noch nicht bereit, aber diese wurden schon im Ringversuch erprobt. Da Alkohole gegen Sporen nicht wirksam sind, könnte Peressigsäure möglicherweise in Kombination mit Ethanol (Peressig-Spiritus) eine Alternative darstellen.

Wirkungsbereich
Prüfmethode
Testorganismen
bakterizid
Suspensionstest:
DGHM/VAH





DIN EN 13127




Praxisnaher Test:
DGHM/VAH

DIN EN 1500

Staphylococcus aureus
Pseudomonas aeruginosa
Escherichia coli
Proteus mirabilis
Enterococcus hirae

Staphylococcus aureus
Pseudomonas aeruginosa
Escherichia coli
Enterococcus hirae


Escherichia coli

Escherichia coli

levurozid
Suspensionstest:
DGHM/VAH

DIN EN 13624

Candida albicans

Candida albicans

viruzid
Suspensionstest:
Leitlinie DVV/RKI



DIN EN 14476

Poliovirus, Adenovirus, SV40 und Vacciniavirus (zukünftig durch murines Norovirus ersetzt)

Poliovirus, murines Norovirus und Adenovirus
begrenzt viruzid
Suspensionstest:
Leitlinie DVV/RKI
Vacciniavirus bzw. MVA und BVDV
„limited virucidal acitve“
Suspensionstest:
DIN EN 14476
Murines Norovirus und Adenovirus



Quelle und weitergehende Informationen: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Desinfektionsmittel/Desinfektionsmittellist/Art_Haendedesinf.pdf?__blob=publicationFile

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