Donnerstag, 26. Juni 2014

Wichtige Maßnahmen in der Krankenhaushygiene: Umgang mit multiresistenten Keimen

„Die Top Five der Krankenhaushygiene: Hygienemanagement bei Patienten mit gramnegativen multiresistenten Keimen“

Was sind gramnegative multiresistente Keime?

Gramnegative Keime sind Bakterien, welche bei der Gramfärbung (Differentialfärbung) unter dem Lichtmikroskop rot erscheinen. Die Gramfärbung dient zur Unterscheidung von zwei großen Gruppen von Bakterien mit unterschiedlichen Zellwänden.

Die Zahl der nosokomialen Infektionen durch multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) nimmt drastische Ausmaße an. Daher ist ein optimales Hygienemanagement außerordentlich wichtig. Man unterscheidet zwischen 3MRGN und 4MRGN, d. h. multiresistente gramnegative Erreger, welche gegen 3 oder 4 Antibiotikagruppen resistent sind. Dabei handelt es sich um Piperacillin, Cefotaxim bzw. Ceftazidim, Imipenem bzw. Meropenem und Ciprofloxacin Präparate.

Die häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen

Oft stehen solche Infektionen im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen oder mit der Anwendung invasiver Maßnahmen. Am häufigsten sind gramnegative Erreger bei beatmungsassoziierten Pneumonien und Harnwegsinfektionen zu finden.

Präventions- und Kontrollmaßnahmen

Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt folgende Schritte als Maßnahmen für Krankenhäuser:

  • Das Vornehmen einer Risikoanalyse 


Zu verhindern ist der Eintrag von MRGN in das Krankenhaus nicht. Umso wichtiger ist die Erkennung durch konsequentes Screening der Risikopatienten.

Folgende Patienten sind besonders gefährdet, Infektionen durch MRGN zu erwerben:

    • Patienten mit verlängertem Krankenhausaufenthalt, sowie insbesondere Patienten auf der Intensivstation
    • Patienten mit länger anhaltendem Aufenthalt in einer Langzeit-Pflegeeinrichtung
    • Patientenmit Antibiotika Anwendung
    • Patienten mit bspw. Transurethralen Kathetern, Intubationen, Tracheostoma, perkutane endoskopische Gastrostomie,
    • Patienten mit Druckgeschwüren,
    • Patienten, die intensiver Pflege bedürfen

Festlegung von Screeningmaßnahmen, sowie eine konsequente Erreger-Surveillance

Im nächsten Schritt sind die Verbreitung, sowie das Auftreten schwerer Infektionen durch geeignete Maßnahmen zu verhindern. Patienten, welche positiv getestet wurden, benötigen eine konsequente Überwachung (Surveillance) und die Standardhygiene muss stetig eingehalten werden.

  • Verbesserung der Compliance der Mitarbeiter durch beispielsweise Schulungen, Informationen und intensivere Compliance der Standardhygiene

Wenn Lücken in der Umsetzung der Standardhygiene bestehen, verbreiten sich resistente Erreger recht schnell. Somit dient als bester Schutz eine lückenlose und gute sorgfältige Praxis der Standardhygiene bei allen Patienten.

  • Festlegung von Isolierungsmaßnahmen

Zudem wird empfohlen die Patienten auf Einzelzimmern, oder mit anderen Patienten, welche mit derselben Spezies mit dem gleichen Resistenzmuster besiedelt sind, unter zu bringen. Ebenso stellen Besucher keine Probleme dar. Sie müssen sich aber bei den Pflegenden vorstellen und in der Notwendigkeit einer hygienischen Händedesinfektion unterwiesen werden. Ein eigenes WC oder Nachstuhl, täglich desinfiziert, muss vorhanden sein.

  • Festlegung zur Informationsweitergabe
  • Antibiotikamanagement


Die konsequente Händehygiene muss unbedingt eingehalten werden und zählt bei MRGN zur wichtigsten Basismaßnahme. Eine Hygienische Händedesinfektion ist erforderlich:

    • vor infektionsgefährdeten Tätigkeiten,
    • nach direktem Patientenkontakt  und Kontakt mit infektiösem Material,
    • nach jeder Manipulation an infizierten Körperstellen, bzw. vor weiteren Tätigkeiten an anderen Körperstellen,
    • nach dem Ausziehen von Einmal-Handschuhen,
    • •immer nach dem Verlassen des Patientenzimmers.


Weitere wichtige Maßnahmen:

  • Schutzkittel mit Ärmelbündchen nur bei Betreten des Patientenzimmers und Patientenkontakt bei pflegerischen Tätigkeiten, besonders beim Betten machen, Umlagern und Waschen der Patienten, während einer Physiotherapie, beim Röntgen, bei invasiver Diagnostik oder körperlicher Untersuchung. Die Krankenhaushygiene legt fest, ob Schutzkittel verworfen, oder mehrmals benutzt werden
  • Schutzhandschuhe werden Grundsätzlich bei Pflege und Therapie der Patienten getragen.
  • Wenn Tätigkeiten beendet sind, werden die Einmalhandschuhe abgelegt. Eventuell müssen neue angelegt werden, wenn Tätigkeiten an anderen Körperstellen durchgeführt werden.
  • Mit kontaminierten Handschuhen dürfen keine weiteren Tätigkeiten durchgeführt werden. Eine hygienische Händedesinfektion ist nach Ablegen der Handschuhe zwingend erforderlich.
  • Ein Mund-Nasen-Schutz wird nur bei Befund in Trachealsekret und endotrachealer Absaugung oder bei anderen Tätigkeiten, bei denen ein Aerosol gebildet wird, getragen.
  • Bei Beförderung des Patienten muss die Zieleinrichtung im Vorfeld über die Infektion oder Kolonisation des Patienten unterrichtet werden. Ein eventueller Verbandswechsel und Händedesinfektion kann durchgeführt werden. Zur Beförderung soll möglichst eine Trage mit frischer Bettwäsche bereit stehen, welche anschließend desinfiziert werden muss. Für die Mitarbeiter der Krankenbeförderung sind Kittel und Handschuhe zu Tragen.
  • Täglicher Wäschewechsel nach Körperwaschung
  • Müllabwurf in normalen Krankenhausmüll
  • Sichtbare Kontaminationen müssen sofort desinfizierend gereinigt werden. Desinfektionseimer steht bereits im Zimmer
  • Wiederholte Desinfektionen der Pflege-, Behandlungs- und Untersuchungsmaterialien.
  • Wiederholte Desinfektionen der Flächen wie bspw. Fußboden und patientennahe Flächen. 


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