Freitag, 11. September 2015

Keimbelastung mit Hilfe von Kupferbauteilen verringern

Keimbelastung mit Hilfe von Kupferbauteilen verringern
© [blackzheep #71156193] / Fotolia.com

Durch die hohe Anzahl der nosokomialen Infektionen, also der krankenhausbürtigen Infektionen, wird fieberhaft nach neuen, innovativen Ansätzen geforscht, um die Keimbelastung und Infektionsraten zu reduzieren.

Kupferlegierungen zur Reduktion von Krankenhausinfektionen


Ein vielversprechender Ansatz ist der Einbau von Kupferbauteilen an berührungsintensiven und -frequentierten Flächen, wie Türgriffen, Bettgestellen und Infusionsständern. Das Kupfer eine antimikrobielle Wirkung zeigt, ist nicht neu. Kupferionen binden sich an Proteine und peroxidieren Zellmembranen. Durch die Entstehung von freien Radikalen wird zusätzlich die DNS geschädigt. Ab einem Kupfergehalt von 60% inaktiviert eine Kupferlegierung auch Noroviren. Für den Menschen sind solche Konzentrationen, eingesetzt bspw. in Krankenhäusern als Türgriffe, nicht toxisch und liegen unter dem Schwellenwert von 1-3 Milligramm Cu pro Tag.
In Feldversuchen wurden kupferhaltige Türgriffe etc im Asklepios Klinikum Hamburg-Harburg erfolgreich eingesetzt, sodass die Entscheidung, Räumlichkeiten dauerhaft mit Kupferbauteilen auszustatten, nicht schwer fiel.

Standardhygienemaßnahmen nicht vernachlässigen!


Auch wenn eine Ausstattung mit kupferhaltigen Bauteilen zu einer Keimreduktion von 83% führen kann (nach einer klinischen Studie drei amerikanischer Krankenhäuser, der Medical University of South Carolina, dem Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York und dem Ralph H. Johnson Veterans Affairs Medical Center in Charleston), dürfen die Standardhygienemaßnahmen, wie bspw. die Desinfektion, nicht vernachlässigt oder gar ganz ausgesetzt werden. Diese Maßnahme muss unbedingt als ergänzendes Hilfsmittel im Kampf gegen Krankenhausinfektionen angesehen werden.

Freitag, 14. August 2015

MEDIZIN Fachmesse + Kongress 2016

MEDIZIN Fachmesse + Kongress 2016

Im Zeitraum von 29.01 - 31.01.2016 findet die MEDIZIN in Stuttgart statt: Fachmesse + Kongress für niedergelassene Ärzte. Ärzte, Medizinische Fachangestellte oder auch Medizinstudenten sind herzlich eingeladen, an der wichtigsten Veranstaltung in der Medizin und Gesundheitsbranche in Süddeutschland teilzunehmen.
Schwerpunkte:
  • Arzneimittel
  • Notfallmedizin
  • Medizintechnik/ Elektromedizin
  • Labortechnik
  • EDV/ Praxisorganisation
  • Diagnostik
  • Praxis- und Laboreinrichtungen
  • Dienstleistungen/ Information/ Literatur
  • Bedarfshandel/ Bekleidung/ Hilfsmittel
  • Gesundheitsprodukte
  • Physiotherapie/ Orthopädietechnik
  • Verbände/ Vereinigungen/ Selbsthilfegruppen


Weiterführende Informationen, sowie Möglichkeiten zur Anmeldung, zu finden unter:
www.medizin-stuttgart.de

Dienstag, 11. August 2015

Händedesinfektion alleine reicht nicht aus

Händedesinfektion alleine reicht nicht aus

"Wenn alle Mitarbeiter korrekt die Händedesinfektionen durchführen, brauchen wir keine weiteren hygienischen Maßnahmen"

Händehygiene ist das A und O! - Das ist so auch richtig, aber die Compliance der Händedesinfektion auf Intensivstationen und Normal-Stationen in Krankenhäusern liegt laut Gesamtauswertung der Aktion "Saubere Hände" bei 74%. Das ist zwar eine Steigerung von 10 Prozent, seitdem die Aktion 2005 ins Leben gerufen wurde, aber eine Compliance von 100 % wird wohl nicht erreicht werden können. Auch nach den Daten des Hand-KISS Moduls (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System), bei dem der Verbrauch von Handdesinfektionsmitteln ausgewertet wird, liegt die Compliance von Intensivstationen bei 50 bis 60 Prozent.

Daher ist es unabdingbar weitere Maßnahmen zur richtigen und lückenlosen Hygiene zu unternehmen. Nicht nur eine regelmäßige Händedesinfektion, sondern auch das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung, primär der Hanschuhe, sowie die routinemäßige Flächendesinfektion, sind alles wichtige Bausteine beim Thema Hygiene.

Freitag, 26. Juni 2015

Komplizierte Ausbreitung von HIV-Resistenzen

Komplizierte Ausbreitung von HIV-Resistenzen
© [Irochka #85243925] / Fotolia.com

Das sich resistente Aidsviren rasant ausbreiten können, zeigt eine Untersuchung der schweizerischen HIV-Kohortenstudie (www.shcs.ch).

Nicht nur Antibiotikaresistenzen stellen ein Problem dar

Nicht nur Antibiotikaresistenzen von bakteriellen Erregern stellen die moderne Medizin vor große Herausforderungen, sondern auch andere Keime können sich durch Mutationen weiterentwickeln und Resistenzen gegenüber Medikamenten bilden - Somit auch HIV-Viren. Beispielsweise durch Fehler in der Therapie, wenn sich eine nicht ausreichende Menge von Wirkstoffen eines HIV-Medikaments im Körper befindet, können sich Resistenzen bilden. Eine Studie im Rahmen der gesamt schweizerischen HIV-Kohorte zeigt eine Ausbreitung von Resistenzen exemplarisch auf, wenn nicht immer wieder neue Medikamente auf den Markt kommen.

Wie können sich Resistenzen ausbreiten?

Weltweit sind über 100 wichtige verschiedene HIV-Mutationen bekannt, die zu Resistenzen führen können. Daher sind auch die Übertragungswege von resistenten Virentypen nicht immer gleich. Eine oft auftretende Mutation ist M184V, welche vorherrschend bei HIV-Patienten auftritt, die medikamentös behandelt werden.  Andere häufig auftretende Mutationen werden z.B. nur bei unbehandelten Patienten gefunden, welche diese weiter verbreiten können. M184V-Mutationen vermehren sich zumeist nur in behandelten Personen, weil sich die Mutation bei unbehandelten wieder zurückbildet, da die Mutation auch die Virus-Vermehrung hemmt.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Prävalenzstudie zu 4MRGN auf deutschen Intensivstationen

Prävalenzstudie zu 4MRGN auf deutschen Intensivstationen
© [fotohansel #76667569] / Fotolia.com

Mithilfe des überarbeiteten Surveillance-Moduls des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) können Aussagen zur Häufigkeit von Patienten mit multiresistenten gramnegativen Bakterien (MRGN) und Clostridium difficile-assoziierter Diarrhö (CDAD) zusätzlich zu Methicillin resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin resistenten Enterokokken (VRE) innerhalb deutschen Intensivstationen gemacht werden.

Das KISS-Netzwerk besteht seit 1997, mittlerweile aus 1403 teilnehmenden deutschen Krankenhäusern. Das System wird auf freiwilliger Basis genutzt und dient der Surveillance nosokomialer Infektionen. Das Modul ITS-KISS dient der Surveillance von Patienten mit nosokomialen Infektionen auf Intensivstationen. Die wichtigsten Basisdaten wie Patientenzahl und Anzahl der neu aufgenommenen Patienten werden von den teilnehmenden Intensivstationen (ITS) immer täglich zur gleichen Zeit ermittelt. Für die Dauer ihres stationären Aufenthaltes werden alle Patienten auf Kolonisationen und Infektionen mit MRGN, MRSA und VRE beobachtet. Dokumentiert werden 4MRGN, 3MRGN sowie nicht differenzierte 3MRGN oder 4MRGN. Bei Nachweis werden MRE/CDAD-Fälle in "auf Station mitgebracht" und "auf Station erworben" unterschieden. Das heißt, dass ein MRE/CDAD-Fall ab dem 4. Aufenthaltstag als "auf Station erworben" deklariert wird, wenn sich vorher keine Symptomatik gezeigt hat.

Ergebnisse der Prävalenzstudie

Insgesamt wurden 528.636 Patiententage mit 19.619 MRE/CDAD Fällen im Zeitraum vom 01.01.2013 bis 30.10.2014 in die Surveillance eingeschlossen. 415 Intensivstationen aus 305 Krankenhäusern nehmen daran teil.

405 Intensivstationen lieferten Daten für MRGN, insgesamt wurden 7814 MRGN Fälle identifiziert, davon waren 6461 3MRGN und 1353 4MRGN. Für MRSA und VRE lieferten jeweils 410 und 392 Intensivstationen Daten. Es wurden 7576 MRSA-Fälle und 2034 VRE-Fälle identifiziert. CDAD-Fälle wurden von 334 ITS berichtet, es wurden 1560 Fälle identifiziert.  Aus den Daten kann man gut entnehmen, dass MRGN Infektionen auf deutschen Intensivstationen mehr als doppelt so häufig vorkommen, als MRSA-Infektionen.

Surveillance-Systeme wie KISS sind notwendig, um Erkenntnisse über das Ausmaß von antimikrobiellen Resistenzen zu gewinnen und eigene Daten mit anderen nationalen Daten vergleichen zu können. Aber vor allen Dingen können Prozesse der Hygiene oder der Krankenhausleitung daran optimiert und Präventivmaßnahmen besser gesteuert werden um die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen eingrenzen zu können.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Hygiene ist Chefsache

Hygiene ist Chefsache
© [K.C. #80701468] / Fotolia.com

Nach der Novellierung des Infektionsschutzgesetz (IfSG) 2011, sind Krankenhäuser dazu verpflichtet, nach den gestellten Vorgaben Hygienefachpersonal einzustellen und für den Infektionsschutz relevante Patientendaten weiterzugeben.

Erhöhte Anforderungen an Struktur- und Prozessqualität

Bis zum Ablauf der Übergangsfrist Ende 2016 muss ausreichend Hygienepersonal mit den kapazitiven Vorgaben in jedem Krankenhaus eingestellt sein. Der Richtwert, abhängig vom Risikoprofil, liegt bei einem hauptamtlichen Krankenhaushygieniker ab etwa 400 Betten. Der Einsatz von Hygienefachkräften richtet sich nach dem einrichtungsbezogenen Infektionsrisiko. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) empfiehlt eine Aufteilung von einer Hygienefachkraft pro 100 Betten bei hohem, 200 Betten bei mittlerem und 500 Betten bei niedrigem Infektionsrisiko. Ebenfalls soll jedes Krankenhaus einen Hygienebeauftragten Arzt einsetzen, welcher eine abgeschlossene Weiterbildung nachweisen muss. Hygienebeautragte Pflegekräfte werden zwar nur empfohlen, sind aber als sinnvoll zu beachten. Eine Hygienekommission soll berufen werden, bestehend aus der ärztlichen Leitung, der leitenden Pflegekraft, der Leitung des Wirtschafts- und Verwaltungsdienstes, der Hygienefachkräfte, des Hygienehygienikers und des Hygienbeauftragten. Unterstützt wird die Hyginekommission dabei von mikrobiologischen und infektiologischen Experten, der Apotheke und der Haustechnik.

Es müssen alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um nosokomiale Infektionen zu verhindern und einzugrenzen. In Hygieneplänen werden die innerbetrieblichen Verfahrensweisen dazu festgehalten. Somit sind Krankenhäuser auch zur Surveillance von nosokomialen Infektionen verpflichtet. Das KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System) Projekt ist dazu eine gute Grundlage.

Eine weitere neue Verpflichtung der Krankenhäuser stellt die Weitergabe von Patientendaten dar. Dabei müssen relevante Informationen des Patienten bei dessen Verlegung, Überweisung oder Entlassung in einem Überleitungsbogen an die weiter behandelnde Stelle ausgegeben werden. Der Patient muss im Vorfeld darüber informiert werden.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Noch dieses Jahr kommt die EN 16615 zum 4-Felder-Test

Noch dieses Jahr kommt die EN 16615 zum 4-Felder-Test
© [Paylessimages #16682853] / Fotolia.com

Nicht nur die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen die einzelnen Erreger müssen überprüft werden, sondern auch die Wirksamkeit von Reinigungsverfahren wie die Oberflächendesinfektion anhand von Tüchern und Mopps. Dieses Jahr wird die endgültige Fassung der EN 16615 veröffentlicht, der sogenannte 4-Felder-Test. Damit soll nun auch das Verfahren zur Desinfektion in einem standardisierten Verfahrenstest auf Wirksamkeit überprüft werden.

Nach einer Studie aus dem Jahr 2006 können Desinfektionsmittel, wie quaternäre Ammoniumverbindungen (QAV) bis zu 60 Prozent in Tüchern gebunden werden. Von daher stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit von Wisch-Desinfektionen oder gebrauchsfertigen Desinfektionstüchern, denn wenn das Mittel im Tuch und dem Wischmopp verbleiben kann, kann das Desinfektionsmittel nicht auf der Oberfläche wirken.

Wie sieht der 4-Felder-Test aus?

Die gesamte Testfläche hat ein Ausmaß von 50 x 20 cm, darin befinden sich 4 gleichgroße Flächen zu je 5 x 5 cm. Der Weg des Wischtuchs ist standardisiert und führt einmal über alle Testflächen herüber und wieder zurück. Somit kann anschließend die Desinfektionsleistung sowie eine eventuelle Keimverschleppung überprüft werden.